Cash Flow in der Praxis - was ist das und warum sollte er erstellt werden

Veröffentlicht:
23. März 2021
Autor:
  • Jan Zvolský
  • Jan Tichý

1.   Ziel der Übersicht des Cash Flow

In diesem Artikel werden wir uns auf die Übersicht des Cash Flow (im Folgenden als „CF“) konzentrieren, die einen Überblick über die finanziellen und Investmentprozesse, über deren Zusammenhang, über die Struktur der eigenen und fremden Finanzquellen und deren Verwendung und über die finanzielle Lage des Unternehmens bzw. deren Änderung vermittelt. Nicht zuletzt befasst sich die Übersicht des CF mit der Liquidität des Unternehmens. In der Praxis wird sie bei den Aufträgen genutzt wie Due Diligence, Übernahmen von Unternehmen, Bewertungen von Unternehmen, und sie wird auf der Grundlage der Geldflüsse mittels der Ertragsmethode DCF (d.h. der Methode der Discounted Cash Flows) erstellt.

Die Übersicht des CF ist ein Beitrag nicht nur für das Management der Gesellschaft, das die CF-Übersicht erstellt, sondern auch für die externen Nutzer, zu denen insbesondere die Gläubiger, die die Tilgungsfähigkeit der Gesellschaft verfolgen (Banken, Investoren). Diese benötigen finanzielle Angaben, die sie nicht der „Bilanz“ oder der „Gewinn- und Verlustrechnung“ (im Folgenden „GuV-Rechnung“) entnehmen können. Sie werden zu einem Stichtag erstellt. Der Bilanz können die Nutzer die Standwerte entnehmen, wie die Aktiva (den Stand und die Struktur der Vermögenswerte), die Passiva (Deckungsquellen), und aus der GuV-Rechnung können sie die sog. Flussangaben erfahren, wie z.B. das Ergebnis, das sich aus den Kosten und Erträgen berechnen lässt. Weiter kann der Bilanz die Entwicklung des Geldstandes ersehen werden, wie der Geldstand am Anfang und am Ende des jeweiligen Zeitraums war. Die Gründe der Änderungen sehen wir in der Bilanz nicht, dazu dient uns gerade der Cash Flow.

Die in der Bilanz und in der GuV-Rechnung festgestellten Angaben vermitteln ein anderes Bild der Entwicklung der Geldmittel. Für diese Zwecke ist es besser, andere Kennzahlen, die von den der Übersicht CF ausgehen, zu benutzen. Die Übersicht des CF zeigt den Hintergrund der Änderungen der Geldmittel, sie gibt den Nutzern Informationen über die Art der Bildung des Inkassos und der Zahlungen der Geldmittel und darüber, ob das Unternehmen zahlungsfähig ist. Die Übersicht des CF ergänzt die oben genannten Dokumente und informiert über die Weise, auf die das Geld erzeugt wird oder auf die mit dem Geld umgegangen wurde. In der Übersicht des CF wird die Auswirkung des buchhalterischen Grundsatzes nach dem, die Buchungen in der Periode durchgeführt werden, mit der sie sachlich und zeitlich zusammenhängen, d.h. ungeachtet der Zahlung, beseitigt. Die Übersicht des CF präzisiert weiter die Angaben aus der GuV-Rechnung über die Wirklichkeit der Gewinne und der Verluste.

1.1.      Wer erstellt die Übersicht des CF

Gemäß § 18 des Gesetzes Nr. 563/1991 Sb., Buchhaltungsgesetz (im Folgenden „BG“) sind kleine und Mikro-Buchführungseinheiten nicht verpflichtet, die Übersicht des CF und die Übersicht der Änderungen des Eigenkapitals zu erstellen.

Ausgewählte Buchführungseinheiten sind verpflichtet, die CF-Übersicht und die Übersicht der Änderungen des Eigenkapitals zu erstellen, wenn sie zum Bilanzstichtag und für die unmittelbar vorangehende Periode die unter § 20Abs. 1 Buchst. c) Punkte 1 und 2 Buchhaltungsgesetz angegebenen Werte erzielen, d.h. die Aktiva gesamt in Höhe von 40 Mill. CZK und einen Jahresnettoumsatz von 80 Mio. CZK.

Mittelgroße und große Buchführungseinheiten müssen die CF-Übersicht und die Übersicht der Änderungen des Eigenkapitals immer erstellen, für sie gelten die Grenzwerte nicht.

Der Inhalt der CF-Übersicht ist in der Verordnung Nr. 500/2002 Sb. geregelt, durch die bestimmte Bestimmungen des Buchhaltungsgesetzes für die die doppelte Buchhaltung führenden Buchführungseinheiten durchgeführt werden (im Folgenden „Verordnung“), und zwar unter § 40-43.

2.   Vorgehensweise der Erstellung der CF-Übersicht

Die Angaben zur CF-Übersicht, und zwar nicht nur über die Vorgehensweise deren Erstellung, können wir in der Verordnung unter §  40-43 finden. Weiterhin ist ein Beispiel der indirekten Ermittlung des Cash Flow in dem Tschechischen Rechnungslegungsstandard Nr. 023 (CAS) angegeben. Mit der CF-Übersicht befassen sich auch die internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS), speziell der Standard IAS 7. Wenn wir die Regelung von CAS und IFRS vergleichen, handelt es sich im Grunde um dieselbe Regelung, wobei der IAS von der indirekten Ermittlung ausgeht und bei bestimmten Zeilen - wie die Einnahmen aus dem Verkauf von Erzeugnissen und Dienstleistungen, Zahlungen an Mitarbeiter, Zahlungen für Material und Dienstleistungen - die Verwendung der direkten Methode bevorzugt. Das Format der CF-Übersicht nach CAS und nach IAS 7 ist auch ähnlich, nur das Format IAS7 ermöglicht im Unterschied zu den tschechischen Standards weitere freiwilligen Veröffentlichungen, wie z.B. die Analyse der Bargeldströme nach den operativen Segmenten.

2.1.      Methoden

Gemäß § 42 der Verordnung erfasst die Buchführungseinheit den Cash Flow aus der laufenden Geschäftstätigkeit mittels der direkten oder der indirekten Methode.

Bei der direkten Methode werden die passend gewählten und geordneten Gruppen der Geldeinnahmen und -Ausgaben ausgewiesen, z.B. nach der Gliederung in der GuV-Rechnung. Es gibt zwei Arten der direkten Methode - die sog. netto direkte Methode, die die Angaben aus der analytischen Evidenz Bankkonten und Kassen, d.h. aus den finanziellen Geschäftsvorfällen feststellt; und die sog. direkte Ersatzmethode. Sie geht von der GuV-Rechnung aus, und es werden dabei die Ertrags- und Aufwendungsangaben in die Einnahme- und Ausgabeangaben transformiert. Die Angaben aus der GuV-Rechnung werden um die Änderungen der Positionen der Bilanz berichtigt. Die Erträge enthalten die Erträge, die keine Einnahmen darstellen und auch die Einnahmen, die keine Erträge sind. Die Aufwendungen bilden die Aufwendungen, die keine Ausgaben darstellen, und die Ausgaben, die keine Aufwendungen sind. Das bedeutet die Geldströme.

Die indirekte Methode wird deswegen indirekt genannt, da sie nicht von den Aufwendungen und Erträgen ausgeht, sondern von dem erzielten Ergebnis vor der Besteuerung, das angepasst wird. In anderen Worten ist dies die Transformation des Ergebnisses in Cash Flow. Das Ergebnis der Buchführungseinheit wird insbesondere um die Transaktionen angepasst, die keine Geldform haben, um die nicht bezahlten Aufwendungen und Erträge der Vorjahre oder der künftigen Geschäftsjahre, um die Positionen der Einnahmen und Ausgaben, die mit der Finanzierungstätigkeit und mit der Investitionstätigkeit verbunden sind. Als Geschäftsvorfälle, die keine Geldform haben, werden Aufwendungen betrachtet, die keine Ausgaben der laufenden Periode darstellen (Abschreibungen, Bildung von Reserven oder Wertberichtigungsposten, latente Steuern), Erträge, die keine Einnahmen der laufenden Periode darstellen (Anrechnung von Reserven und Wertberichtigungsposten), und noch die Änderungen der Bilanzpositionen, die mit dem Geldfluss verbunden sind.

Die indirekte Methode wird von Unternehmen häufiger verwendet, da die Aufstellung einfacher ist. Die Vorteile im Vergleich zur direkten Methode sind insbesondere eine kleinere Anzahl von Daten, es können die netto-Werte erfasst werden, die Konkurrenz erhält wenigere Informationen (es fehlt die Struktur und die Art der Geldströme im Unternehmen). Zu den Nachteilen der indirekten Methode gehört die Einbeziehung der Geschäftsvorfälle, die keine Geldform haben, in die CF-Übersicht, um die die Geldflüsse bereinigt werden müssen.

Die CF-Übersicht wird so aufgestellt, dass die Geldflüsse bei drei (3) Tätigkeitsarten verfolgt werden können, wie unten im Kapitel 3 beschrieben.

3.   Struktur der Übersicht des Cash Flow

Die CF-Übersicht wird gemäß der Verordnung, und zwar § 41 Punkte 2–4 der Verordnung nach den Tätigkeiten, bei denen die Geldflüsse erwirtschaftet wurden, gegliedert, d.h. die laufende (operative) Geschäftstätigkeit, die Investitionstätigkeit und die Finanzierungstätigkeit. Die Gliederung ermöglicht es, die Bedeutung der einzelnen Tätigkeiten für die Geldflüsse zu beurteilen. Der Zweck der CF ist daher auch, die Geldflüsse in die drei Tätigkeitsarten aufzuteilen.

Der CF aus der operativen Tätigkeit enthält die Haupttätigkeit des Unternehmens, aus der normalerweise Gewinn erzielt werden sollte und andere Tätigkeiten, die keine Investitionstätigkeiten und keine Finanzierungstätigkeiten darstellen. Es handelt sich insbesondere um Tätigkeiten (einschließlich der Vorauszahlungen) wie den Verkauf von Erzeugnissen, Waren und Dienstleistungen, Verkauf von Rechten, Lizenzen, Knowhow, Vermittlungstätigkeit, Erwerb von Material, Waren und Dienstleistungen, Ausgaben für Löhne, Zahlung der Körperschaftsteuer, Gewinnanteile, wenn sie eine Finanzierungstätigkeit darstellen. Diese Auflistung unterscheidet sich von der GuV-Rechnung, in der die Klassifizierung der einzelnen Konten in der Durchführungsvorschrift zum Buchhaltungsgesetz definiert wird.

Zu den CF aus der Investitionstätigkeit gehört der Erwerb und der Verkauf des Anlagevermögens, eventuell auch die mit der Kreditgewährung zusammenhängende Tätigkeit, die keine operative Tätigkeiten des Unternehmens darstellt. Es handelt sich insbesondere um die Tätigkeiten des Erwerbs/Verkaufs - Anlagevermögen, immaterielles Anlagevermögen, Geschäftsanteile, Optionsverträge, Forwards, Futures, Gewährung/Einnahmen aus Ratenzahlungen der Kredite an verbundenen Personen.

Die CF aus der Finanzierungstätigkeit enthalten die Einnahmen und Ausgaben zur Finanzierung der Geschäftstätigkeit. Diese Geschäftsvorfälle sind oft mit der Änderung des Eigenkapitals verbunden. Es handelt sich insbesondere um die Einnahmen/Ausgaben - aus den Aktien-/Anteil-/Anleihen-/Optionsblattausgaben, aus Spenden und Einlagen ins Kapital, von Eigentümern für den Verlustausgleich, aus erhaltenen Krediten und Darlehen „einschließlich der Zinsen“, aus Förderungen für Sachanlagen/imaterielle Vermögenswerte und aus Gewinnanteilen.

4.   Spezifische Positionen aus der Perspektive der tschechischen Rechnungslegungsvorschriften für Unternehmer

Bestimmte Änderungen der Geldmittel in der CF-Übersicht sind in den tschechischen Rechnungslegungsvorschriften geregelt. Diese Besonderheiten werden weiter im Text genannt. Bei der Erstellung der CF-Übersicht könnte es Positionen geben, die bei unterschiedlichen Auslegungen sowohl in die operative, als auch in die Investitionstätigkeit oder in die Finanzierungstätigkeit einbezogen werden können. Die in der Tschechischen Republik geltende buchhalterische Methode erfordert die Abbildung dieser Positionen in getrennten nicht kompensierten Positionen. Zu diesen Positionen gehören Einnahmen und Ausgaben aus besonderen Ereignissen, erhaltene und gezahlte Zinsen aus Krediten und Darlehen, erhaltene und gezahlte Dividenden bzw. Gewinnanteile, Zahlung der Körperschaftsteuer einschließlich der zusätzlich bemessenen Steuer für die Vorjahre, einschließlich der gezahlten Vorauszahlungen der Körperschaftsteuer für die laufende Periode. Weiter werden manche von denen detaillierter beschrieben.

4.1.      Besondere Einnahmen und Ausgaben

Aus den Sonderereignissen folgen auch besondere Einnahmen und Ausgaben; die Positionen der CF-Übersicht werden stets nach ihrer Art eingereiht. Z.B. die erhaltene Leistung aufgrund eines Versicherungsfalls kann in die operative Tätigkeit, in die Investitionstätigkeit oder in die Finanzierungstätigkeit einbezogen werden. Es müssen die Kosten und Erträge in der GuV-Rechnung und die geforderten Einnahmen und Ausgaben aus Sonderereignissen in der CF-Übersicht streng getrennt werden. Die meisten dieser Buchungsvorfälle sind keine Vorfälle in Geldform (es sind buchhalterische Übertragungen) und betreffen nie die Geldmittel oder deren Äquivalente.

4.2.      Zinsen

Die Zinsen werden aus der Perspektive des Unternehmers grundsätzlich als operative Tätigkeit eingeordnet, es gibt jedoch die Alternative, sie in die Investitions- oder in die Finanzierungstätigkeit einzuordnen. Einer der Gründe für die Zuordnung zur Finanzierungstätigkeit ist die Tatsache, dass sie ein Bestandteil der Beziehungen zu Banken sind, d.h. der Verschuldung (+), der Zahlung der Verbindlichkeiten (-), der Zahlung der Finanzierungskosten - der Zinsen (-). Die Gesetzgebung (sowohl die tschechische, als auch die internationale) lässt den Unternehmen freie Wahl, welchem Teil der CF-Übersicht sie die gezahlten Zinsen zuordnen.

4.3.      Gewinnanteile

Die Gewinnanteile (Dividenden) werden grundsätzlich der operativen Tätigkeit zugeordnet, es gibt jedoch die Möglichkeit, sie der Finanzierungstätigkeit zuzuordnen. Wenn das Unternehmen Dividenden lediglich unter die Aktionäre des Tochterunternehmens verteilt, dann werden diese Geschäftsvorfälle unter die operative Tätigkeit in der CF-Übersicht fallen.

 

In diesem Artikel wollten wir die grundlegenden Aspekte der Cash Flow Übersicht, die Vorteile deren Erstellung für die Gesellschaftsleitung und für externe Benutzer zeigen. Wir haben uns mit den möglichen Methoden der Erstellung der CF-Übersicht, mit ausgewählten Unterschieden zwischen den tschechischen und den internationalen (IFRS/IAS) Rechnungslegungsvorschriften und den Regeln der Zuordnung von ausgewählten Positionen der Übersicht nach der tschechischen Gesetzgebung befasst.

Nach der Lektüre dieses Artikels können Sie vielleicht denken, dass die Erstellung der CF-Übersicht keine einfache Angelegenheit ist, dass sie die Buchhaltung des Unternehmens aus verschiedenen Perspektiven betrachtet, d.h. mehrere Angaben und Unterlagen müssen bei der Erstellung genutzt werden. Daher empfehlen wir, sich an Experten zu wenden und die Sorgen mit der Erstellung der Cash Flow Übersicht ihnen zu überlassen, dann können Sie sich Ihrer Geschäftstätigkeit ungestört widmen. Unsere Gesellschaft beschäftigt Berater, die Sie gerne bei der Erstellung der Cash Flow Übersicht unterstützen und Ihre Fragen zu diesem Thema gerne beantworten.

Autor: Jan Zvolský, Jan Tichý